Chronik der Gemeinde Annaberg


Die evangelisch-methodistische Kirche Annaberg erscheint erstmalig namentlich im Jahr 1887 zusammen mit Schwarzenberg. Aufsichtsprediger des Doppelbezirks war Ernst Pucklitsch. Der erste Gottesdienst konnte aber erst am 29. Oktober 1888 gehalten werden. Die erste öffentliche Predigt hielt Pastor Ernst Pucklitsch im alten Gewerbehaus in der damaligen Silberstraße, heute Kupferstraße. Fast anderthalb Jahrzehnte hindurch wurden die Gottesdienste in einem Saal in der unteren Badergasse 1 gehalten. Die Versammlungsbesucher mussten am Bäckerofen vorbei durchs Vorderhaus, über den Hof, durch ein weiteres Tor, dann hinauf zu einem Hinterhaus, neben einem Schweinestall und dann eine kleine Treppe hoch. Wer sollte da schon den Weg in eine solche Gemeinde finden! Vorher traf man sich zu Stubenversammlungen, gefördert durch August Schmidt dem sogenannten „Bibel August“, der Bibeln und Traktate verkaufte und Andachten hielt. Die Stubenversammlungen fanden unter anderen, auch auf der großen Kirchgasse 52 statt, wo man eine Stube mietete und Bänke hineinstellte. Auch Laienprediger wie die Brüder Schmidt, Horn und Simon, sowie die Predigergehilfen R. Ramdohr, A. Jakob und Weber, überbrückten unter der Aufsicht von Pastor Engelbert Wunderlich aus Schwarzenberg die erste Zeit mit.

Als 1904 durch Pastor J. Schäuble in der Bahnhofstraße 11 ein Haus für die Gemeinde gekauft wurde, war für die Vorwärtsentwicklung der Gemeinde grundsätzlich noch nicht viel gewonnen, solange die Hauptgemeinden außerhalb Annabergs lagen. Auch nach Abtrennung der Gemeinden Neudorfs mit Sehma, Cranzahl und Königswalde im Jahre 1912, galt die Hauptarbeit des Aufsichtspredigers der Gemeinde in Crottendorf. Dabei zersplitterte sich seine Kraft schon wieder durch Neuaufnahme von Gemeinden wie Geyersdorf und Schönfeld. Während des ersten Weltkrieges musste der frühere Südseemissionar Pastor Heinrich Paul Wenzel zu seinem Annaberger Bezirk auch noch die Aufsicht über den Neudorfer Bezirk übernehmen. Politisch und wirtschaftlich unruhige Zeiten folgen. Nach der Revolution vom 9. November 1918 trat eine Erleichterung der Gemeindearbeit infolge der Proklamierung der religiösen Freiheit ein. Das alleinige Vorrecht der ev.- lutherischen Kirche als Landeskirche wurde aufgehoben. Demzufolge fiel die polizeiliche Überwachung der Gottesdienste mit mancherlei kleinlichen Beschränkungen der Arbeit weg.

Kirche am Emilienberg

Die entscheidende Grundlage für die Gemeindeentwicklung wurde durch den Bau einer Kirche am Emilienberg im Jahr 1926 gelegt. Pastor in dieser Zeit war Paul Fischer. Am 17. Juni 1926 war die Grundsteinlegung und bereits am 14. November 1926 wurde die Kirche, nach nur fünf monatiger Bauzeit, feierlich eingeweiht. Nun kam die Gemeinde vorwärts, wenn auch langsam. Alte Vorurteile waren in der Bevölkerung nicht so bald überwunden. Zudem steht die Kirche zwar in großartig- idyllischer, aber doch versteckter Lage. Nur die begeisterte Einladung der Mitglieder und Gottesdienstbesucher machte sie immer mehr in der Öffentlichkeit bekannt. Trotz ihrer Lage und der Entfernung kamen Glieder und Freunde aus Annaberg- Buchholz, Frohnau, Geyersdorf und Cunersdorf zu ihrer Kirche, die ihnen geistliche Heimat bedeutet.

Schon 1928 tagte die Mitteldeutsche Jährliche Konferenz vom 14.- 19. August in Annaberg. Nach Jahren in denen die Gemeinde langsam wuchs, begann der 2. Weltkrieg. Ende des Jahres 1941 wurde der damalige Gemeindepastor Dr. F. W. Meyer zum Kriegsdienst eingezogen. In dieser Zeit übernahm seine Frau viele der Aufgaben. Nach seiner Rückkehr Ende 1945 und dankbar, dass die Kirche am Emilienberg im Krieg vor Zerstörung bewahrt wurde, begann man 1946 mit der grundlegenden Renovierung des Kirchsaales. Die erste Evangelisation im neuen Kirchsaal war der Auftakt zu einer allmählichen, sich aber stetig fortsetzenden Belebung der Gemeinde. Viele Menschen kamen zum Glauben und fanden den Weg in die Gemeinde. Auch die Gemeindearbeit blühte durch den Einsatz vieler Brüder und Schwestern wieder auf.
Den ersten großen Höhepunkt bildete die Einweihung einer Jehmlich Orgel am 4. März im Jahr 1951. Sie soll der Ausdruck der Gemeinschaft und des Lobgesanges und zur Ehre unseres Herrn und Heilandes sein.

Jehmlich Orgel
Gedenktafel Friedensgebet

Durch vornehmlich private Spenden und dem besonderen Einsatz des Gemeindepastors Karl Hans Pollmer erhielt 1973 der Turm vier Bronzeglocken des VEB Glockengießerei Apolda mit einem Gewicht von 90 bis 300 kg. Die feierliche Glockenweihe fand am 3. Juni 1973 statt. Zur friedlichen Revolution im Jahr 1989 erlangte unsere Kirche wieder besondere Bekanntheit, als die Türen für das erste Friedensgebet geöffnet wurde. Tausende Menschen fanden sich mit Kerzen vor der Kirche ein um zu beten. Mutige Menschen und Pastor Thomas Fritzsch hatten das Friedensgebet organisiert.

Ein besonderer Dank gehört auch den nicht namentlich genannten Gemeindepastoren für ihre vielfältigen Dienste und der Leitung unserer Gemeinde. Viel musste in den Jahren neu gebaut, umgebaut und erneuert werden. In den ganzen Jahren haben auch Brüder und Schwestern treu ihren Dienst getan. Sei es im Predigtdienst, im gemischten Chor, im Posaunenchor, in der Frauen- u. Seniorenarbeit, in der Kinder- und Jugendarbeit oder bei Reinigung, Grundstückspflege und Werterhaltung. Alles zur Ehre unseres Herrn.

Dankbar schauen wir auf die vielen Jahre zurück und auf den Segen den Gott uns geschenkt hat. Wir sind dankbar für die vielen Gottesdienste, Kindergottesdienste, Gemeindegruppen, Gemeindefeste und vieles mehr. Inzwischen schauen wir auf 95 Jahre Kirche am Emilienberg zurück und über 130 Jahre Gemeinde Annaberg- Buchholz. Möge der Herr uns weiter segnen.

(Annaberg-Buchholz im Februar 2022 mit Auszügen aus der Friedensglocke Nr. 11 vom 10.Juni 1951)